4. Februar 2013

Ein tolles Spitzenspiel


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Um eins festzuhalten: Es ist in diesem Spiel nicht um die Meisterschaft gegangen. Konnte es auch nicht. Dass die Bayern nach dem 3:0 in Mainz schon am Samstag zum Gewinner geworden sind, wurde auch durch das Frankfurter 2:0 beim HSV nicht konterkariert. Apropos Frankfurt: Die Eintracht ist bis auf einen Zählen an Leverkusen herangerückt. Drei Teams kämpfen um die Plätze zwei und drei und damit um die direkte Qualifikation zur Champions League – und das Duell in Leverkusen war genau das, ein Spiel um die Platzierungen hinter dem FC Bayern München. Dass dieses trotz des Drucks und trotz aller taktischen Kniffe und Finessen der Trainer auf beiden Seiten so rasant werden würde, hat wohl die meisten Beobachter angenehm überrascht. Doch der Reihe nach.

Leverkusen trat im 4-5-1 an, Kießling bildete die einzige Spitze, hinter der Castro und Schürrle agierten, dahinter spielte die Dreifachsechs aus Rolfes, Lars Bender und Reinartz vor der (inzwischen) etablierten Viererkette aus Carvajal, Wollscheid, Toprak und Boenisch. Jürgen Klopp hielt mit dem gewohnten 4-2-3-1 auch am bewährten Personal fest, Sven Bender agierte dieses Mal neben Ilkay Gündogan auf der Doppelsechs und Felipe Santana vertrat den weiterhin verletzten Neven Subotic. Was beim BvB auffiel: Mario Götze agierte sehr viel defensiver als gewöhnlich, von dort setzte er stattdessen die oft nach vorne stürmenden Außenverteidiger Piszczek und Schmelzer in Szene, die in die freien Räume vorstießen. Die Dortmunder versuchten sich von Beginn weg im Gegenpressing, das 1:0 aus Gästesicht in der dritten Minute fiel, als Sven Benders Einsatz im Mittelfeld zu Robert Lewandowski sprang, der fein auf den in die Gasse startenden Reus servierte.

Die richtige taktische Schlussfolgerung

Das hatte eins zur Folge: Dortmund presste nun noch höher, als man das eh gewöhnt ist. Alle Reihen der Gäste verschoben nach vorn, Lücken für Leverkusener Kombinationen entstanden so nicht, im Gegenteil. Nach einem erzwungenen Ballverlust der Hausherren bediente Gündogan Lewandowski, der im Strafraum gefoult wurde. Jakub Blaszczykowski verwandelte den – wohl berechtigen – Elfmeter bereits in der achten Minute zum 0:2. Für die Gastgeber war das bitter, weil Bayer 04 noch gar nicht richtig im Spiel war und schon mit zwei Toren hinten lag. In den 20 bis 30 Minuten nach dem Elfmeter perfektionierten die Dortmunder zunächst ihr Pressing, Leverkusen konnte sich weiterhin nicht nach vorn entfalten, zu eng war es im Mittelfeld geworden. Doch konnte das Team von Sascha Lewandowski nach und nach die richtigen taktischen Schlüsse aus der Dortmunder Vorwärtsverteidigung ziehen.

Kartotheken für das Fußballtraining

Und so sahen diese Schlüsse aus: nicht mehr flach kombinieren, sondern mit halblangen und langen Bällen oft und schnell die Seite wechseln. Ein einfaches Mittel, das die Dortmunder aber zunehmend irritierte. Deren Verbund schloss sich nämlich bei gegnerischem Ballbesitz immer so zügig in Richtung des Balls, dass auf mindestens einem Flügel Räume entstehen mussten. In dieser Phase konnte Dortmund nur noch reagieren, doch die meisten Angriffe von Bayer wurden entweder ungenau vorgetragen, von Dortmunds Viererkette ins Abseits gestellt oder zu überhastet abgeschlossen. Konnte der BvB die Begegnung bis zur Halbzeit trotzdem noch relativ offen gestalten und einige Konter setzen, so änderte sich das nach der Pause mit einem Schlag. Leverkusen brachte Sidney Sam für den blassen Rolfes und beorderte Castro auf die Rolfes-Position, während Sam auf die Außenbahn rückte. Auch Carvajal, der rechts hinter Sam spielte, schaltete sich nun öfter ein, während auf der linken Seite Boenisch immer häufiger marschierte und Schürrle unterstützte. Vor allem Sam bereitete den Dortmundern mit seiner Technik, seinem Auge und der Wendigkeit schon bald enorme Probleme. Zunächst schlug Leverkusen zwar kein Kapital aus der Dominanz, glich dann durch Reinartz‘ Doppelschlag in der 58. und in der 62. Minute blitzschnell aus. Da war die Dortmunder Defensive nicht auf der Höhe, was auch damit zusammenhing, dass Klopp kurz zuvor ebenfalls auf ein 4-5-1 umgestellt hatte und Blaszczykowski als zusätzlichen Sechser in die Mitte beorderte, damit Reus und Götze Platz auf den Flügeln bekommen sollten.

Leverkusen zollt Tribut

Mit dem direkten Gegenzug ging der BvB in der 63. Minute aber aus heiterem Himmel wieder in Führung, als das Bayer-Team offenbar noch euphorisiert war vom raschen Ausgleich. Von nun an übernahmen die Gäste erneut das Kommando, die Umstellung auf das neue System zeigte ebenfalls Wirkung: Leverkusen wurde meist weit weg gehalten vom Tor der Dortmunder. Mit dem Elfmeter in der 69. Minute hätte Blaszczykowski dann die relativ sichere Entscheidung herbeiführen können, doch seinen schwachen Schuss parierte Bernd Leno. Doch fand Bayer nicht mehr zurück zu jener Stärke und jener Gefährlichkeit, die die Mannschaft vor dem Anschlusstreffer bzw. dem Ausgleich gezeigt hatte. Ein Grund für die nachlassenden Hausherren lag mit Sicherheit darin, dass sie ihrem laufintensiven Spiel nun gehörig Tribut zollen mussten. Zwar musste Dortmund insgesamt die meisten Torschüsse dieser Saison zulassen (27 an der Zahl, mehr als in den Spielen in München und Madrid), doch gegen Ende waren die Gäste dem 4:2 näher als Bayer dem Ausgleich.

Sollte Bayer diese Leistung bestätigen können, dürfte man zumindest den dritten Platz verteidigen, falls man an Dortmund nicht wieder vorbei ziehen kann. Doch die Borussia hat einen Lauf und nun zwei Heimspiele gegen den HSV und Frankfurt vor der Brust, während Leverkusen zunächst einmal nach Mönchengladbach muss, um danach die bissigen Augsburger zu empfangen, die in der Rückrunde bisher noch nicht verloren haben. Reife und Leidenschaft allerdings hat die Werkself nicht erst durch dieses Spiel bewiesen, auch wenn es nicht zu einem Punkt gegen den amtierenden Meister gereicht hat. Und auch der BvB bzw. Klopp zeigten am Sonntag in Leverkusen, warum sie nun wieder auf dem zweiten Platz stehen.

28. Januar 2013

Düsseldorf lässt Punkte in Gladbach liegen


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Im rheinischen Derby siegte Borussia Mönchengladbach am 19. Spieltag mit 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf. Die Gäste wurden kalt erwischt und lagen nach nicht einmal 15 Minuten bereits mit 0:2 hinten. Zwar konnte die Fortuna in der zweiten Hälfte zulegen, doch gelang es ihr nicht, zu zwingenden Chancen zu kommen.

Gladbachs Trainer Lucien Favre schickte seine Mannschaft im 4-4-2 auf das Feld, wobei Nordveit und Marx den defensiven, Arango und Cigerci den offensiven Teil des Mittelfelds bildeten und Herrmann und de Jong an vorderster Front agierten. Düsseldorfs Coach Norbert Meier hielt mit einem 4-5-1 dagegen, wobei Robbie Kruse den offensivsten aller Mittelfeldspieler stellte. Dieser unterstützte Dani Schahin je nach Situation in dessen Rolle als Sturmspitze. Überhaupt: Vier neue Spieler baute die Fortuna gegenüber dem 2:3 gegen Augsburg in der Vorwoche in die Startelf ein. Den vom HSV ausgeliehenen Robert Tesche, Leon Balogun und Martin Latka in der Viererkette sowie Adam Bodzek, der Andreas Lembertz vertrat.

Diese personellen Umstellungen verhinderten jedoch nicht, dass von Beginn weg die Hausherren den Ton angaben. Gladbach drückte sofort aufs Tempo und spielte mitunter ansehnlich und oft über die Außen nach vorn. Arango setzte in der 6. Minute Wendt in Szene, dessen Hereingabe Düsseldorfs Verteidiger Juanan klären wollte. Doch er traf den Ball nicht richtig, die Kugel bekam so viel Effet mit, dass sie sich über den herauskommenden Torhüter Fabian Giefer in die Maschen senkte – Eigentor. Und für Juanan und die Fortuna doppelt ärgerlich, denn Giefer hätte die Flanke von Wendt wohl locker abgefangen; der Keeper hatte goldrichtig gestanden. Nach der Führung der Gladbacher änderte sich zunächst einmal überhaupt nichts. Herrmann spielte Doppelpass mit de Jong und konnte nur ganz knapp vor der Vollendung dieser Kombination im Sechzehner der Gäste gestoppt werden, Gladbach blieb also am Drücker.

Doppelschlag durch die Borussia

Das sollte sich in der 14. Minute auszahlen. Düsseldorfs van den Bergh bekam den Ball nicht aus der Gefahrenzone, das Gegenpressing der Borussia führte so zum Ballgewinn durch Cigerci. Dann kam das Spielgerät zu de Jong, der kurz den Kopf hob und im Fünfmeterraum den heraneilenden Herrmann sah, der aus ein paar Metern keine Mühe hatte, auf 2:0 zu erhöhen. Nun erst schienen die Gäste ein wenig aufzuwachen und versuchten, selbst nach vorn zu spielen, doch zunächst strahlte die Fortuna so gut wie keine Gefahr aus. Immer dann, wenn die Borussia Ballgewinne hatte und schnell und direkt nach vorn kombinierte, gab es Chancen für die Gastgeber, so etwa nach 32 Minuten, als Cigerci Arango in Szene setzte. Dass der die ganz einfachen Chancen nicht macht, sondern nur die sehr schwierigen, hatte der Venezolaner in der Hinrunde zur Genüge bewiesen – und auch jetzt vergab Arango leichtfertig. Giefer hatte wenig Mühe, den schwachen und unplatzierten Schuss zu entschärfen.

Fußball-Rebounder

Bis zur Pause passierte kaum etwas, Düsseldorf wollte, konnte aber nicht, und Gladbach verwaltete das Ergebnis. Zur zweiten Hälfte kamen die Gäste bissiger aus der Kabine. Reisinger zog einfach mal ab, und nur das leichte Touchieren des Balls durch einen Abwehrspieler der Hausherren verhinderte wohl den Anschlusstreffer. Doch der fiel dann in der 50. Minute. De Jong nahm bei einem Abwehrversuch im Sechzehner gegen einen Kopfball von Latka den Arm zu sehr zu Hilfe, Schiri Gagelmann entschied richtigerweise auf Strafstoß, den Dani Schahin sicher verwandelte.

Düsseldorf zwar kompakter, aber weiter ungefährlich

Auch in den nächsten zehn Minuten drückte vor allem Düsseldorf, es sah so aus, als hätten die Gladbacher ihren Mut verloren. Auch das Zusammenspiel passte kaum noch, falsche Laufwege kamen hinzu und die Tatsache, dass die Gäste nun wussten, wie sie das Angriffsspiel von Mönchengladbach zu unterbinden hatten. Allerdings kam es dabei auch immer wieder zu individuellen Fehlern, wie dem in der 56. Minute, als Latka den Ball vertändelte und Arango auf Cigerci spielte, der sich in aussichtsreicher Position den Ball jedoch ein Stück zu weit vorlegte. Ansonsten machten die Gäste einen wesentlich kompakteren Eindruck als noch im ersten Durchgang, vor allem das Mittelfeld verschon nun besser hin zum Ball, was einige Ballgewinne bedeutete. Allerdings konnte Meiers Elf die Gastgeber nicht richtig in Gefahr bringen. Zwar sah das nun optisch überlegen aus, was Düsseldorf spielte, doch echte Chancen sprangen dabei eigentlich nicht heraus.

Etwa ab der 75. Minute schienen die Kräfte bei Düsseldorf dann etwas zu schwinden, und Gladbach konnte die Schlagzahl wieder etwas erhöhen, nicht jedoch das Resultat – obwohl die Gastgeber noch drei gute Chancen verzeichnen konnten. So etwa in der 78. Minute, als die Fortuna nur mit viel Glück nicht sogar noch ein zweites Eigentor produzierte, Latka hatte eine Flanke ans eigene Gehäuse gesetzt. Doch auch danach roch es mehr nach dem dritten Tor der Gladbacher denn nach dem Ausgleich für Fortuna Düsseldorf. Arango tauchte in der 82. und in der 88. Minute jeweils frei vor Giefer auf, der beide Male toll reagierte und das Spiel bis zum Schluss offen hielt. Doch seine Vorderleute konnten bis zum Abpfiff und dem unter dem Strich verdienten Heimsieg der Borussia nicht mehr für Gefahr vor dem Tor der Hausherren sorgen. Für Düsseldorf wird es nach unten hin nun wieder ein kleines bisschen enger, wenn auch noch nicht bedrohlich. Am kommenden Spieltag kommt es dann in der Esprit-Arena in Düsseldorf zum Duell gegen den VfB Stuttgart, der in der Rückrunde – wie die Fortuna – auch noch ohne Punkt ist (wie auch Greuther Fürth und Werder Bremen).

21. Januar 2013

Die Notwendigkeit, schnell umzuschalten


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Mit dem Tabellenzweiten Bayer Leverkusen und dem Vierten Eintracht Frankfurt trafen zu Beginn der Rückrunde zwei Topteams aufeinander. Weniger gut: Die Frankfurter Fans konnten das Zündeln mal wieder nicht lassen. Schon eher konnte dafür das Spiel als solches halten, was es im Vorfeld versprochen hatte. Dabei hatten die Gäste phasenweise mehr vom Spiel, kamen allerdings selten zum Abschluss. Ein Manko, das sich in der Spitzenbegegnung des 18. Spieltags rächen sollte.

Die Gastgeber setzten in taktischer Hinsicht dabei meist auf das gemeinhin auch gern als „Tannenbaum“ bezeichneten 4-3-2-1, wobei die offensiveren Kießling, Castro und Schürrle nur sporadisch den Spielaufbau der Frankfurter angriffen. Die wiederum begannen im üblichen 4-2-3-1, mit Alex Meier hinter der einzigen Spitze Matmour, der mehr oder weniger allein war beim aussichtslosen Unterfangen, das Leverkusener Aufbauspiel zu stören. Zwar störte auch Meier hin und wieder vorn und machte das System dann zum lupenreinen 4-4-2, doch auf diese Kleinigkeit kam es unterm Strich nicht an. Im Gegenzug versuchten die Gäste von Beginn an, sich im Mittelfeld kompakt zu zeigen, indem die beiden Sechser – Schwegler und Rode – nicht zu tief standen und so die Räume zwischen den drei offensiver ausgerichteten Mittelfeldspielern (neben Meier noch Inui und Aigner) zusätzlich verdichteten. Allerdings konnten weder Rode noch Schwegler allzu viel für den Spielaufbau tun, da ihnen ihre Bayer-Pendants Rolfes und Bender immer ziemlich schnell auf den Socken standen.

Das führte zunehmend dazu, dass die Eintracht es über die Außen versuchte. Dabei spielen bei Frankfurt, wie stets in dieser Saison, die Außenverteidiger wichtige Rollen, da diese – am Samstag waren es Oczipka und Jung – viel nach vorne tun müssen. Normalerweise ziehen die Außenstürmer mit, um Anspielmöglichkeiten zu schaffen, doch in Leverkusen wurden sowohl Aigner als auch Inui von der Viererkette der Leverkusener förmlich aufgesaugt und fanden zunächst kaum statt. Zum einen verschob die Bayer-Abwehrkette immer recht gut, und wenn doch einmal Platz gewesen wäre für einen Flügelangriff der Eintracht, stellten die Leverkusener Außenverteidiger Boenisch und Carvajal schnell auf eine Art Manndeckung um.

Frankfurt: gefällig, aber nicht gefährlich

So hatten die Frankfurter zwar häufig den Ball auf den Flügeln, doch es wurde nie etwas daraus. Auch, als Matmour versuchte, den Außen zu helfen, indem er ihnen entgegen kam, wollte die entscheidende Kombination nicht gelingen, es blieb bei den – immerhin ansehnlichen – Versuchen der Elf von Armin Veh. Dessen Spieler hielten in der ersten Hälfte so auch zu etwa 57 Prozent das Spielgerät in ihren Reihen, doch stand es zur Pause eben auch schon 2:0 für die Hausherren, die nach einem Eckball durch einen Abstauber von Boenisch in Führung gingen (31. Minute) und nur zwei Minuten darauf nachlegen konnten, als ein Schürrle-Pass in die Nahtstelle der Abwehr Castro in Szene setzte, der den mitgelaufenen Kießling nur bedienen musste. Kießling brauchte den Ball dann nur noch ins leere Tor zu schieben.

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Zur zweiten Hälfte stellte Veh, der an etwas Zählbares zu glauben schien, um, und sandte ein interessantes 2-3-2-3 auf den Platz mit Zambrano und Russ hinten, davor Jung, Schwegler und Oczipka, vor denen Aigner, Rode und Inui agierten, die Meier (nun als Stürmer) und den zweiten, für Matmour eingewechselten Angreifer Occean in Szene setzen sollten. Leverkusen hielt mit einem 2-5-2-1 dagegen, wobei die offensiven Mittelfeldspieler Schürrle und Castro alle Freiheiten nach vorn hatten – zu kompakt stand das verdichtete Mittelfeld der Hausherren, die Frankfurter wurden zwar noch mutiger, doch kamen sie im Prinzip nicht mehr zu Torchancen.

Bayers individuelle Klasse entscheidet

Nach dem 3:0 durch Schürrle nach etwa einer Stunde war die Partie dann sowieso gelaufen. Einer der zahlreichen Konter gegen die zwar immer noch gefällig, aber bis auf einen Kopfball von Occean eben nicht gefährlich agierenden Gäste brachte diesen Treffer. Zwar steckte die Elf von Armin Veh nie auf und versuchte, auch nach dem 0:3 noch einmal nach vorn zu spielen, doch mehr als das 1:3 durch Alex Meier sollte nicht dabei herauskommen. Was nicht zuletzt daran lag, dass Bayer 04 auf jede taktische Veränderung der Eintracht auch die passende Antwort finden konnte. Dennoch hätten die Gäste nicht verlieren müssen, im Prinzip standen sie auch defensiv nicht schlecht, ließen jedoch bei allen Treffern individuelle Fehler zu, die die Bayer-Elf dann konsequent ausnutzen konnte.

Leverkusen sah – im direkten Vergleich – in spielerischer Hinsicht zwar ab und an unterlegen aus, doch weiß man bei Bayer wohl, dass die Klasse der einzelnen Spieler manchmal eben ausreicht (oder ausreichen muss), um auch die engeren Spiele für sich zu entscheiden. Vor diesem Hintergrund sollten auch die Frankfurter diese Niederlage sehen, zwar traf die Elf als Vierter der Tabelle, aber eben immer noch als Aufsteiger auf eine mit Nationalspielern gespickte Mannschaft, deren Spieler zudem schon einige Erfahrung in der Champions League sammeln konnten. Auch (und so fielen ja auch zwei der drei Tore für Bayer 04) die Notwendigkeit des schnellen Umschaltens haben die Leverkusener erkannt und gut umgesetzt; mithin schien das einer der Schlüssel zum Erfolg gewesen zu sein. Leverkusen bleibt als Zweiter neun Punkte hinter den Bayern und drei vor Verfolger Borussia Dortmund; die Frankfurter stehen weiterhin auf Platz vier, an den nun der FC Schalke 04 wieder näher herangerückt ist.

15. Januar 2013

Ungeahnte Möglichkeiten


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Mehr oder weniger heimlich, still und leise hat Borussia Dortmund Nuri Sahin zurückgeholt – das ist der Deal dieses Winters. Den Dortmundern bringt der Wechsel des von Real Madrid an den FC Liverpool ausgeliehenen und nun von den Dortmundern ebenfalls geborgten Mittelfeldspielers neben einer weiteren sportlichen Option vor allem viel Reputation, und gut für die Bilanzen ist er auch noch. Doch stellt sich die Frage: Was wollen die Dortmunder mit noch einem Sechser?

Sebastian Kehl, Sven Bender, Ilkay Gündogan, Moritz Leitner – das sind die Namen jener Spieler, die bei Borussia Dortmund in den vergangenen 18 Monaten auf der Sechs, also im defensiven Mittelfeld, gespielt haben. In verschiedenen Konstellationen. Während sich Trainer Jürgen Klopp aus Gündogan, Kehl und Bender stets zwei Spieler für die Startelf erwählte, war Leitner meist der Mann für die letzten Minuten, um bei knapper Führung entweder zusätzlich abzusichern. Oder um bei ausreichender Führung den erschöpfteren der beiden Stammspieler abzulösen. Das hat fast immer blendend funktioniert.

Jetzt bekommen die Vier einen namhaften Konkurrenten zur Seite gestellt. Nuri Sahin ist wieder da. Der verlorene Sohn. Für grob zehn Millionen Euro war Sahin nach der ersten Meisterschaft der Borussen im Sommer 2011 zu Real Madrid gewechselt, wo er erst verletzt war und auch nach seiner Genesung kaum zum Zug kam, weswegen ihn die Madrilenen an den FC Liverpool ausliehen. Auch dort spielte Sahin selten, um nicht zu sagen: sehr selten. Dass Klopp jetzt einen Kandidaten mehr hat für die beiden Positionen im defensiven Mittelfeld, ist allerdings nur auf den ersten, flüchtigen Blick ein Problem. Bei etwas genauerem Hinsehen entpuppt sich Sahins Rückkehr vor allem auf mittlere Sicht als echter Gewinn, und das nicht nur finanziell. Bis Ende Juni 2014 läuft die Ausleihe des türkischen Nationalspielers, danach kann Sahin vom BvB zurückgekauft werden, für kolportierte sechs Millionen Euro. Falls Dortmund die Option zieht, ist die Rechnung einfach: Zehn Millionen kassiert, für sechs zurückgeholt, macht unter dem Strich ein Plus von vier Millionen. Zudem erhält die Borussia ein Eigengewächs, das der Trainer und die schwarz-gelben Spieler nur allzu gut kennen und das nach seiner Leidenszeit höchst motiviert sein dürfte, für seinen Heimatclub alles zu geben.

Neue Optionen für Klopp

Doch nicht nur deswegen dürfen sie sich in Dortmund auf die Schulter klopfen. Denn auch in sportlicher Hinsicht eröffnen sich dem BvB neue Perspektiven, ohne dass das Gedränge auf der Sechser-Position für andauernde schlechte Stimmung sorgen muss. Nimmt man die Aufstellungen der Hinrunde unter die Lupe, zeigt sich schnell, dass von den vier genannten Spielern in Kehl und Bender zwei oft verletzt waren, phasenweise sogar zur gleichen Zeit. Zudem hat es sich in Dortmund so gefügt, dass die Borussia von Gündogan sehr, wenn nicht gar zu abhängig geworden ist. Dazu ein paar Zahlen: In vier Partien ohne Gündogan holte Dortmund zwei magere Punkte. Nur ein Spiel, in dem er mitgewirkt hat, haben die Westfalen verloren (das seltsame 2:3 gegen den VfL Wolfsburg). Ein Nuri Sahin in Normalform dürfte das Dortmunder Aufbauspiel nicht nur stabilisieren, sondern deutlich verbessern, wenn Leitner im gleichen Atemzug auf eine taktisch weniger gehobenen Position versetzt würde, etwa auf den Außen. Dort könnte er dort Spielpraxis sammeln und würde keinem der arrivierten Sechser den Platz streitig machen.

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Das hätte für den Trainer weitere positive Aspekte zur Folge. Denn geht man mal davon aus, dass der Stürmer Robert Lewandowski den BvB im Sommer verlässt, wofür einiges spricht, könnten Mario Götze oder Marco Reus in die Sturmspitze vorrücken, womit – je nachdem – auf links oder rechts eine Position vakant würde, die Leitner dann übernehmen kann.

4-2-3-1? 4-1-4-1? Oder gar 4-3-2-1?

Betrachtet man allein die taktischen Möglichkeiten, ergäben sich für Klopp nun weitere Varianten. Einmal könnte er das gewohnte 4-2-3-1 auch ohne Lewandowski weiter spielen lassen, bei einem Ausfall von Reus oder Götze stünde als Alternative an vorderster Front Julian Schieber bereit. Oder der Trainer setzt auf ein 4-1-4-1, in dem Bender oder Kehl direkt vor der Viererkette agieren, hinter einem Vierer-Mittelfeld, in dem Götze, Blaszczykowski, Sahin, Reus, Leitner und Gündogan um die Plätze rangeln (je nachdem, was in der Stürmerfrage passiert, fallen Götze bzw. Reus hier heraus). Und schließlich bliebe Klopp immer auch die Chance, auf den so genannten Tannenbaum zurückzugreifen, ein 4-3-2-1, in dem Kehl mit Gündogan und Sahin die defensiveren Stellen im Mittelfeld besetzen könnten.

Eingangs haben wir die These aufgestellt, dass Sahins Rückkehr darüber hinaus auch ein Gewinn ist für die Reputation der Borussia – nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Zwar wird Sahin wohl der Ruf anhaften, sich weder in Madrid noch in Liverpool durchgesetzt zu haben, das schon. Doch ob es einem gesunden Sahin ebenso ergangen wäre wie dem verletzten, darf bezweifelt werden. Um die Klasse des gebürtigen Lüdenscheiders wissen wir alle noch zu gut, schließlich war er der herausragende Akteur in der Saison 2010/11, als Klopp seine erste Meisterschaft mit der Borussia feierte. Es ist gut möglich (oder sogar sehr wahrscheinlich), dass die nationale Konkurrenz in Bälde wieder leidvoll erfahren muss, welche Qualität das Spiel des Nuri Sahin hat. Und wenn es gut läuft für Dortmund, dürften auch die Gegner auf internationaler Ebene, sprich: in der Champions League, bald merken, dass der Türke das Fußballspielen in den anderthalb Jahren außerhalb Dortmunds nicht verlernt hat.

11. Januar 2013

Mit schwerer Last in die Rückrunde


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Die ersten Wochen des neuen Jahres gehen für den FC Schalke 04 so weiter, wie die letzten Wochen des alten Jahres aufgehört haben: betrüblich. In den letzten sechs Ligapartien gab es nur zwei Punkte für Königsblau, woraufhin der Publikumsliebling – Trainer Huub Stevens – gehen musste. Und auch für seinen Nachfolger Jens Keller brachte das letzte Pflichtspiel 2012 im Pokal nichts ein. Kellers Debüt ging vor heimischer Kulisse mit 1:2 an Mainz 05. Und die Hiobsbotschaften für den immerhin im Achtelfinale der Champions League stehenden Club reißen nicht ab.

Denn unmittelbar nach der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs erklärte einer der Leistungsträger, Nationalspieler Lewis Holtby, dass er seinen im Sommer endenden Vertrag in Gelsenkirchen nicht verlängern werde. Derzeit ist allerdings noch offen, ob Holtby schon im Januar wechselt oder den Schalkern wenigstens noch bis Ende Juni dieses Jahres erhalten bleibt. Und auch der 24-jährige Kapitän Benedikt Höwedes will sich noch nicht so recht festlegen, ob er dem FC Schalke über die aktuelle Saison hinaus erhalten bleibt. Als ob das noch nicht genügen würde: Auch um die Trainerfrage ranken sich beim Revierclub nach wie vor einige Legenden.

So steht die Frage im Raum, ob Jens Keller überhaupt die Chance bekommt, auch im Spieljahr 2013/14 Übungsleiter bleiben zu dürfen. In den vergangenen Tagen machte auf Schalke immer wieder der Name von Bruno Labbadia die Runde. Denn auch der Kontrakt des Hessen beim VfB Stuttgart läuft aus, und Labbadia zögert und zögert, ob er das vom VfB unterbreitete Angebot einer Verlängerung unterzeichnen soll. Hintergrund ist folgender: Labbadia einerseits und Schalkes Sportvorstand Horst Heldt andererseits werden derzeit nicht müde zu betonen, wie hoch die gegenseitige Wertschätzung ist. Im Klartext heißt das, dass der Stuttgarter Trainer womöglich darauf spekuliert, den Platz von Schalkes Keller (den Labbadia übrigens auch vor etwas mehr als zwei Jahren in Stuttgart abgelöst hatte) auf der Bank der Knappen einzunehmen.

Offene Spekulationen über Jens Kellers Nachfolger

Dass Heldt Labbadia gern haben würde, pfeifen die Spatzen von den Dächern – allerdings sollte Heldt womöglich nicht zu sehr nur auf dieses Pferd setzen. Die Stuttgarter Zeitung meldete in diesen Tagen aus dem türkischen Belek, wo der VfB momentan sein Trainingslager absolviert, dass sowohl Stuttgarts Präsident Gerd E. Mäuser als auch Manager Fredi Bobic in Gesprächen mit Labbadia zumindest Teilerfolge erzielt hätten. So wurde berichtet, dass „die Grundtendenz bei Labbadia nach dem Gedankenaustausch mit Mäuser pro VfB“ tendiere, was daran liegen könnte, dass die Schwaben in den bisher in Belek verbrachten Tagen beinahe täglich positive Neuigkeiten produzierten. So wurden die im Sommer auslaufenden Verträge einiger Leistungsträger still und leise verlängert: erst der Kontrakt mit Christian Gentner bis 2016, dann mit Tamas Hajnal bis 2014, mit Georg Niedermeier bis 2016 und schließlich mit Gotoku Sakai, ebenfalls bis 2016.

Trainingshilfen für die Saisonvorbereitung

 

Das könnten die von Labbadia geforderten Zeichen gewesen sein, dass es der VfB ernst meint, wichtige Spieler langfristig an sich zu binden. So oder so: Dass es Keller, kaum in Amt und Würden, wohl kaum gefällt, dass mehr oder weniger offen über einen möglichen Nachfolger spekuliert wird, macht die Arbeit in Gelsenkirchen für ihn auf jeden Fall nicht einfacher. Da hilft es auch nicht, dass in Ibrahim Afellay, Christoph Moritz und Kyriakos Papadopoulos drei Stützen des Teams noch länger verletzungsbedingt ausfallen. Zudem müssen die Schalker beim Auftakt zur Rückrunde gegen Hannover notgedrungen auf Mittelfeldmotor Jermaine Jones und Torjäger Klaas-Jan Huntelaar verzichten – beide sind gesperrt. Das Jahr könnte besser beginnen für Schalke.

Herbe Klatsche im Testspiel gegen die Bayern

Eine zusätzliche Bürde bedeutete die im Trainingslager in Doha gegen den ebenfalls dort stationierten FC Bayern ausgetragene Freundschaftspartie – mit 0:5 kamen die Schalker dabei unter die Räder. In seiner Verzweiflung wollte Jens Keller seiner ohnehin schon verunsicherten Truppe eine Taktik nach Dortmunder Vorbild verpassen, indem er seiner Mannschaft das so genannte Gegenpressing verordnete. Was Kellers Kapitän Höwedes mit den Worten kommentierte, so ein System sei „gegen die Bayern nicht spielbar“. (Was natürlich nicht stimmt, wie Borussia Dortmund in den letzten zweieinhalb Jahren immer wieder gegen München bewiesen hat.) Die Bayern jedenfalls führten Schalke phasenweise vor. Ein 0:5, und sei es auch in einem Testspiel, ist nicht eben dazu angetan, das Selbstvertrauen einer Mannschaft wesentlich zu fördern, im Gegenteil. Eine Woche vor der Partie gegen Hannover scheinen die Schalker weit davon entfernt zu sein, ihre Normalform auch nur halbwegs zu finden. Über allem schwebt in dieser Angelegenheit die Frage, wer in aller Welt darauf gekommen sein mag, eine mit sich selbst extrem beschäftigte Mannschaft im Test ausgerechnet gegen Bayern München antreten zu lassen. Immerhin musste man damit rechnen, dass ein solches Match wohl kaum dazu taugen würde, so etwas wie Aufbruchsstimmung auf Schalke hervorzurufen.

In der Tabelle der Bundesliga ist Schalke nach den sechs sieglosen Spielen und den teils empfindlichen Niederlagen in Leverkusen (0:2), in Hamburg und Stuttgart (je 1:3) und gegen den SC Freiburg (ebenfalls 1:3) auf Rang sieben abgerutscht. Der Kontakt zu jenen Plätzen, die zur erneuten Teilnahme an der Champions League berechtigen, ist erst einmal abgerissen, und hinter Schalke reihen sich punktgleich Mönchengladbach und der VfB ein, dahinter folgen mit je einem Punkt Abstand Hamburg, Hannover und Bremen. Wenn es Keller und seinem Team nicht sofort beginnt, in der Liga den Schalter umzulegen, kann es passieren, dass auch der Kontakt zu den Europa League-Plätzen bald weg ist. In diesem Fall müsste Keller um seine bis zum Saisonende festgeschriebene Anstellung schon vorzeitig fürchten. Was vermutlich bedeutet, dass sich die Sache mit Bruno Labbadia dann sowieso erledigt hat.

17. Dezember 2012

Wie Favre die Bayern irritierte


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Mit kompaktem Defensivspiel, dafür jedoch wenig Entlastung nach vorn, hat es die Gladbacher Borussia erneut geschafft, gegen den FC Bayern nicht zu verlieren. Die taktischen Kniffe von Trainer Lucien Favre, ein hervorragender Marc-Andre ter Stegen zwischen den Pfosten und auch die in München immer nötige Menge Glück bescheren den Kickern vom Niederrhein einen vorweihnachtlichen Punkt in der Münchner Allianz-Arena.

Die erste Überraschung, die Favre im letzten Vorrundenspiel bei den Bayern aufbot, war das System. Der Schweizer schickte eine 4-4-1-1-Formation auf das Feld, einziger echter Stürmer war Mike Hanke, hinter ihm präsentierte sich Tolga Cigerci in eher halblinker Positon, vor Juan Arango, als hängende Spitze. Thorben Marx und Havard Nordveit bildeten die Doppelsechs, die speziell von Nordveit bei Gladbacher Ballbesitz relativ offensiv interpretiert wurde. Allerdings war der Norweger bei Ballverlusten (und die gab es häufig) immer schnell wieder hinter dem Ball, um das Münchner Aufbauspiel zu stören.

Genau dafür – die Bayern agierten im gewohnten 4-2-3-1 – hatte sich Favre eine taktische Finte zurechtgelegt. Weil mit Thomas Müller auf rechts und mit Franck Ribéry auf der linken Seite in dieser Saison die Spieler auf den Außenbahnen extrem effizient sind, verzichtete der Gästecoach darauf, das Zentrum zu massieren, was bis dato die meisten Gegner der Bayern versucht haben. Stattdessen verordnete Favre seinen Flügelspielern Herrmann und Arango, die Außenverteidiger der Bayern (Lahm und Alaba) eng zu begleiten, wenn diese nach vorn stießen. Zudem spielten die Gladbacher Außenverteidiger Wendt und Jantschke gegen Müller und Ribéry so etwas wie Manndeckung. Weil diese beiden – Wendt und Jantschke – den Auftrag hatten, extrem tief und nah am Mann zu stehen, konnten Ribéry und Müller so gut wie nie in voller Fahrt mit dem Ball am Fuß auf sie zulaufen – womit Favre diesen beiden ihre extremen Vorteile genommen hatte.

Favre zerstört den Spielaufbau der Bayern

Auf der anderen Seite konnten Jantschke und Wendt dagegen nicht wie gewohnt offensive Akzente setzen. Doch das sollten sie auch gar nicht (auch wenn der Gladbacher Elfmeter zum 0:1 in der 20. Minute aus einem schnellen Konter resultierte), Favre war eher darauf aus, die Bayern im Spielaufbau zu stören. Das gelang oft: Wenn der Ball bei Manuel Neuer war, schoben Nordveit, Cigerci und Hanke nach vorn und stellten die Anspielstationen zu. Neuer musste einige lange Bälle spielen, womit Gladbach den gepflegten Spielaufbau der Bayern oft zunichtemachte. Zudem verstand es die Borussia, bei langen Bällen gut im Raum zu stehen, sich andererseits aber auch kompakt zusammenzuziehen. Das führte zu relativ vielen Ballgewinnen der Gäste.

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In der zweiten Hälfte war es dann an Bayerns Coach Jupp Heynckes, die Taktik zu verfeinern und so zumindest noch zum Ausgleich zu kommen, was ja auch gelingen sollte. Indem Lahm und Alaba höher standen, verkürzten sie die in der ersten Hälfte meist zu offenen Räume zu den vor ihnen agierenden Müller und Ribéry. Weil Heynckes schon vor der Pause Shaqiri für Martinez gebracht hatte und so für mehr Bewegung sorgen wollte, rückte Kroos auf die Achter-Position, wo er mehr für seine Mannschaft tun konnte als zuvor auf der Zehn, während sich Schweinsteiger auf die Position von Martinez begab. Diese Formation verstand es besser, sich gegen das tief stehende Gladbacher Bollwerk durchzusetzen, der Ausgleich fiel aber nach einem Fehler von Marx (der zuvor den Elfmeter verwandelt hatte), den Shaqiri nur noch auszunutzen brauchte. Allerdings erzwangen die Bayern diesen Fehler auch, indem sie nach und nach auf ein immer höher einsetzendes Pressing setzten, das Marx spielerisch entzaubern wollte, was eben schief ging.

Die Bayern wollen es erzwingen – vergeblich

Im Anschluss daran, es waren noch über 30 Minuten zu spielen, erhöhten die Bayern den Druck, was auch daran lag, dass Alaba und Lahm immer mehr Akzente über ihre Seiten setzten. So kamen die Bayern noch zu ein paar guten Chancen, die jedoch der junge Torhüter ter Stegen allesamt zu vereiteln wusste. Mit der Einwechslung von Claudio Pizarro für Müller (Mario Gomez hatte zuvor bereits Mario Mandzukic abgelöst) nahm Heynckes für die letzten zehn Minuten dann in Kauf, dass das spielerische Element etwas abhandenkam. Vielmehr versuchten es die Bayern jetzt mit Flanken auf die beiden Mittelstürmer, doch unterm Strich war das wenig gefährlich. Glück hatten die Gäste, als Ribéry in der 82. Minute knapp daneben zielte und Kroos kurz vor dem Ende bei einem satten Schuss in ter Stegen seinen Meister fand.

Über das Spiel gesehen kann man zwar wirklich nicht davon sprechen, dass die Gäste den Hausherren ebenbürtig waren, das wäre übertrieben. Außerdem zeigten sich die Münchner taktisch auch flexibel, als es darum ging, sich auf das Spiel der Gladbacher einzustellen. Doch bei einer Statistik, die 14 Ecken ausweist (Gladbach vier), 26 Versuche beim Torabschluss (Gladbach fünf) und 31 Flanken (Gladbach sechs) muss man sagen, dass den Bayern an diesem Abend schlicht die Effizienz fehlte. Und um die Statistiken abzurunden: Mit 125 gelaufenen Kilometern taten die Gäste physisch auch sehr viel dafür, diesen einen Punkt aus München mitnehmen zu können, während die Bayern insgesamt sieben Laufkilometer weniger auf den Platz brachten. Der Schlüssel zum Gladbacher Teilerfolg war – neben der bayrischen Ineffektivität – jedoch sicher Favres beschriebener taktischer Kniff, die Münchner Flügel in der ersten Halbzeit nicht zur Geltung kommen zu lassen.

11. Dezember 2012

Defensiv nicht auf der Höhe


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Bei Werder Bremen wissen sie nach 16 Spieltagen noch immer nicht so genau, wo sie eigentlich stehen. Die Mannschaft wird auf jeden Fall nicht auf einem der internationalen Plätze überwintern, so viel steht fest. Die Probleme der Bremer liegen wie fast immer auch in dieser Saison nicht in der Offensive: 28 Gegentreffer nach 16 Spielen sind einfach zu viel.

Vier Siege, zwei Remis, zwei Niederlagen bei einem Torverhältnis von 18:18, so lautet die Bilanz der letzten zehn Ligaspiele der Bremer. 1:4 zuhause gegen Leverkusen verloren, 4:1 in Hoffenheim gewonnen, und nun wieder eine 1:4-Niederlage bei Eintracht Frankfurt – das sind die letzten drei Begegnungen der Werderaner. Neun Gegentore, drei im Schnitt pro Spiel bei einem Punktschnitt von einem. Auf die komplette Spielzeit bezogen lauten diese Zahlen: 1,75 Gegentreffer pro Partie (immer noch viel zu viel), 1,3 Punkte pro Spiel (immer noch viel zu wenig). Sehen lassen können sich immerhin die 27 selbst erzielten Tore, von denen in Frankfurt aber hätten mehr fallen müssen, um die Schwächen in der Defensive zu übertünchen. Wobei diese schwache Defensive in Bremen mittlerweile schon Tradition hat.

Marko Arnautovic dürfte am Samstagabend nicht besonders gut drauf gewesen sein. Der Bremer Offensivspieler hatte erst im Top-Spiel am Abend vier Gegentore bei der Frankfurter Eintracht hinnehmen müssen. Später war der Österreicher dann noch zu Gast im Aktuellen Sportstudio auf dem Lerchenberg, nur etwa 45 Kilometer entfernt von der Frankfurter Arena. Bei sechs Versuchen an der Torwand im Sportstudio traf Arnautovic: null Mal. Sein Herausforderer, ein jüngerer HSV-Fan, schaffte vier Treffer in sechs Versuchen. Nach dem 1:4 bei der Eintracht hatte Marko Arnautovic 0:4 an der Torwand verloren. Dabei war die Niederlage gegen eine zwar starke, aber keineswegs überragende Frankfurter Truppe zuvor eigentlich vermeidbar gewesen.

Konterspiel über de Bruyne

Thomas Schaaf schickte gegen die von Armin Veh trainierten Gastgeber ein 4-2-3-1 auf das Feld, wobei die Doppelsechs von Fritz und Junuzovic gebildet wurde. Hinten verteidigten Selassie und Schmitz außen, Sokratis und Prödl innen, während Arnautovic und Elia die offensiven Außenbahnen bearbeiteten. De Bruyne gab den Zehner hinter der einzigen Spitze Petersen, wobei  die Leihgabe aus Chelsea hin und wieder aufrückte und neben der Leihgabe vom FC Bayern so etwas wie einen zweiten Angreifer bildete. In dem Fall rückten die Außen ein wenig ein, womit sich das Mittelfeld in eine Art Raute verwandelte, die man in Bremen ja noch bestens kennt. Werder wollte das Frankfurter Passspiel von hinten heraus auf diese Art zerstören, doch sobald Frankfurts Sechser Sebastian Rode (Doppelsechs zusammen mit Pirmin Schwegler) einmal den Ball erhielt, kamen seine Pässe zu über 90 Prozent zu einem Mitspieler. Bremen gelang es ansonsten noch ganz gut, die Frankfurter Kombinationen von hinten heraus zu unterbinden. Dafür konnte man über de Bruyne selbst einige Konter inszenieren, bei denen allerdings nichts heraussprang. Nahezu alle gefährlichen Situationen der Gäste entsprangen dem hohen Pressing, das Petersen und de Bruyne sehr gut umsetzten.

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In der zweiten Halbzeit verstärkten die Frankfurter die Offensivbemühungen auf ihrer linken Seite, Bastian Oczipka harmonierte besser mit dem vor ihm postierten Inui, während Werder seinerseits über dieselbe (also seine rechte) Seite konterte, wodurch die Bremer nach einer Flanke von Arnautovic auf Petersein auch das 1:1 erzielten. Dem war eine Flanke von Oczipka auf der Gegenseite vorangegangen, die Alexander Meier verwandeln konnte. Als Frankfurt dann per Doppelschlag nach 63 Minuten auf 3:1 davon zog, wurde es für Bremen schwierig, dennoch gelangen weiterhin einige gute Konter über Arnautovic, Fritz und de Bruyne. Allerdings kamen die notwendigen Kombinationen vor dem Strafraum der Frankfurter eben nicht zustande, ergo konnten die Bremer nicht mehr als diesen einen Treffer von Petersen verbuchen.

Zu leichte Gegentreffer

Obwohl der taktische Kniff von Thomas Schaaf über weite Strecken aufging, nämlich die Eintracht zu einem äußerst umständlichen Aufbau zu zwingen, standen die gar nicht einmal schwachen Gäste am Ende mit leeren Händen da. Warum? Weil ganz einfach die alte Grundregel nicht befolgt werden konnte, dass man nach dem auswärts erzielten Ausgleichstreffer hinten eben auch mal dicht machen und mit einem Punkt in der Fremde zufrieden sein muss. Das 2:1 und das 3:1 für die Eintracht waren zu einfach gefallen: Ein 30-Meter-Schuss von Schwegler, der nahezu unbedrängt abziehen konnte, und der Abschluss im Strafraum von Aigner, bei dem Schmitz zuvor weggerutscht war, besiegelten die siebte Bremer Niederlage in dieser Saison. Nach dem dritten Gegentor steckten die Gäste dann zwar nicht auf, aber es sah immer wieder unkonzentriert und unkoordiniert aus, was da im Offensivspiel ablief.

Das 4:1 in der 90. Minute war dann nicht mehr als die konsequente Fortsetzung der beiden Bremer Spiele zuvor: entweder 1:4 verlieren oder 4:1 gewinnen. Überhaupt haben die Bremer für das Jahr 2012 eine erstaunliche Bilanz aufzuweisen, denn als wohl eine der ganz wenigen Mannschaften hat es Schaafs Team in diesem Kalenderjahr nicht ein einziges Mal geschafft, zwei Spiele in Folge zu gewinnen. Hinzu kommt, dass Werder es nicht versteht, Leistung zu konservieren. Während in Hoffenheim beim 4:1-Erfolg alle Mannschaftsteile gut waren, galt das in Frankfurt zumindest für die Abwehr eben schon wieder nicht. Das ist in der Bundesliga eben meist zu wenig, um auch nur einen einzigen Punkt mitzunehmen. Und am letzten Spieltag vor der Winterpause empfangen die Bremer mit dem 1. FC Nürnberg ein Team, das in der Fremde erst 13 Gegentreffer kassiert hat. Fünf weniger als Bremen. Und insgesamt zwar auch erst 16 eigene Treffer erzielt hat, dafür nur 21 hinnehmen musste – sieben weniger als Bremen. Es könnte am Sonntagabend zu einem knappen Duell kommen im Weserstadion. Aber vielleicht trifft Arnautovic dann ja wieder.

3. Dezember 2012

Folgenschwere Fürther Flaute vor dem Tor


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Die SpVgg Greuther Fürth rutscht am 15. Spieltag auf den letzten Tabellenplatz ab. Die Partie gegen den VfB Stuttgart steht symptomatisch für den bisherigen Verlauf der Saison bei den Franken: ordentlich mitgespielt, keine Tore, keine Punkte. Erst zehn Treffer in 15 Partien zeigen deutlich, wo die größte Schwäche des Aufsteigers liegt: vor dem Tor. Trotz mehr als 30 Minuten in Überzahl verliert Fürth mit 0:1.

Dabei versuchte Trainer Mike Büskens schon mit der Aufstellung, ein Zeichen zu setzen. Christopher Nöthe rückte als zweiter Angreifer neben Gerald Asamoah in die Mannschaft, deren taktisches Korsett sich damit vom gewohnten 4-2-3-1 in ein 4-4-2 verwandelte. Offensichtlich versuchte der Coach, seiner Mannschaft damit ein offensives Lebenszeichen einzuhauchen, zumindest phasenweise gelang dies auch – aber es führte nicht zum Torerfolg. Das lag zum Teil an einer gehörigen Portion Pech (zwei Aluminiumtreffer), zum anderen aber auch daran, dass die Gäste aus Schwaben zumeist recht gut im Bilde waren, wenn Fürth nach vorn spielte. Die Doppelsechs des VfB, bestehend aus Zdravko Kuzmanovic und Christian Gentner, erstickten die meisten Versuche der Hausherren im Keim, doch konnten die im 4-2-3-1 angetretenen Stuttgarter ihr oft gutes Umschaltspiel nur selten zeigen.

Das lag zum einen an der anhaltenden, eklatanten Formschwäche von Regisseur Hajnal, zum anderen aber auch daran, dass Fürth in der Rückwärtsbewegung vieles richtig machte. Dennoch hatten die Kleeblätter Glück, dass ein Foul von Thomas Kleine an Vedad Ibisevic im Strafraum (noch) ohne Folgen blieb, Schiedsrichter Kinhöfer entschied auf Weiterspielen. Der Favorit inszenierte danach nur noch wenig, im Gegenteil, Fürth kam immer besser auf und hatte nach einer schönen Kombination über Pekovic, Nöthe und Prib eine gute Chance, die letzterer allerdings fast schon fahrlässig vergab. Ansonsten konnte ich Artur Boka auf seiner linken Defensivseite mangels Beschäftigung hinten öfter in das Angriffsspiel des VfB einschalten.

Auch gegen zehn Stuttgarter gelingt Fürth kein Treffer

Als es schon deutlich auf ein 0:0 zur Pause hinauslief, bekam Ibisevic den zuvor verweigerten Strafstoß doch noch. Nach einem Zuspiel aus dem Mittelfeld drehte sich der Stürmer um Fürths Spielführer Mergim Mavraj in den Strafraum hinein, Mavraj tapste unbeholfen in die ihm gestellte Falle und ließ den Stuttgarter über die Klinge springen – ein Elfmeter ohne Diskussionen. Ibisevic scheiterte zwar am für Stammkeeper Max Grün ins Tor berufenen Wolfgang Hesl, doch sprang der Ball wieder hoch und Shinji Okazaki genau auf den Kopf. Der Japaner nickte die Kugel zur 1:0-Führung für die Gäste ein.

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Direkt nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Hälfte antworteten die Hausherren auf sehr wütende Art und Weise. Eine Vierfachchance durch Stieber, Prib, Nöthe und wieder Nöthe, bei der es im Fünfmeterraum der Württemberger zuging wie in einem Hühnerstall, wussten die Gastgeber abermals nicht im Tor unterzubringen – eine eigentlich unbegreifliche Szene, die gekrönt wurde vom krachenden Pfostentreffer bei Nöthes zweitem Versuch. Kurz darauf schickte der Unparteiische Stuttgarts Kapitän Serdar Tasci völlig zu Recht zum vorzeitigen Duschen. Tasci hatte sich den Ball viel zu weit vorgelegt und fuhr mit gestrecktem Bein und nach vorn zeigender Sohle Pekovic zwischen die Beine. Rohes Spiel, keine Frage. Pekovic konnte nicht mehr weiter spielen, und Büskens brachte in Felix Klaus einen offensiven Mann. Kurz darauf hatte er prompt die Chance zum Ausgleich, doch Sven Ulreich hielt abermals glänzend.

Den Stürmern versagen die Nerven

Der VfB stand nun in Unterzahl sehr tief und hatte sich aber bald auch diesen Nachteil eingestellt. Wieder und wieder rannten sich die Fürther am Abwehrriegel fest, und die Stuttgarter konnten einige gefährliche Konter setzen, waren teilweise dem 2:0 näher als die Hausherren dem Remis. Lediglich ein Prib-Freistoß aus 25 Metern wurde noch einmal richtig gefährlich, der Ball klatschte an die Querlatte – nur wenige Zentimeter fehlten. Allerdings war Ulreich in der richtigen Ecke und hätte womöglich klären können. In den letzten zehn Minuten warf Fürth alles nach vorn, konnte sich aber keine zwingenden Chancen mehr erarbeiten. So nahm der VfB zwar drei glückliche, aber durch den in Unterzahl gezeigten Kampfgeist zumindest zum Teil nicht gänzlich unverdiente Punkte mit. Die Fürther rutschten mit nur acht Punkten und einem Torverhältnis von 10:26 hinter Augsburg auf den letzten Tabellenplatz ab und müssen am kommenden Spieltag nach Freiburg – es gibt zurzeit sicher einfachere Aufgaben.

Dass in Fürth – im Gegensatz zu Hoffenheim und Augsburg – keine Diskussionen um den Trainer einsetzen, ist zwar branchenunüblich, verwundert angesichts der vor dem Saisonstart getätigten Äußerungen kaum. Oft war zu hören, der Trainer sitze fest im Sattel, immerhin habe man ihm ja den Aufstieg zu verdanken. Tröstlich, dass die Verantwortlichen offenbar zu ihren Worten stehen. Und sie sehen ja auch, dass die Mannschaft fast immer alles versucht, den Stürmern aber vor dem Gehäuse des Gegners regelmäßig die Nerven versagen. Das ist nicht die Schuld von Mike Büskens, es ist allein dem fehlenden Selbstbewusstsein geschuldet. Für die SpVgg sollte man nicht ganz ausschließen, dass sie nach der Winterpause den Anschluss ans rettende Ufer wieder herzustellen versteht. Wenn die Pfostenschüsse zu Toren werden und ein wenig Abgezocktheit dazu kommt. Der VfB hat sich nach schlechtem Saisonstart inzwischen auf Rang sieben vorgearbeitet und liegt sogar nur noch drei Punkte hinter dem vierten Platz, was doch ein wenig verwundert ob der mitunter dürftigen Leistungen. Doch auf die Begegnung in Fürth trifft eine uralte Binsenweisheit des Fußballs perfekt zu: Clevere Teams gewinnen solche Spiele auch mal in Unterzahl, der kämpfende Underdog gibt alles und geht leer aus. Vielleicht aber muss das in Fürth nicht so bleiben.

26. November 2012

Taktisch intelligente Fortunen bezwingen Hamburg


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In einer Partie zweier schwacher Teams ist Fortuna Düsseldorf gegen den HSV die Mannschaft, die den Sieg einen Tick stärker erzwingen will. Bei den Hamburgern sollte nach dem Ausfall von Rafael van der Vaart der von Düsseldorf gekommene Maximilian Beister im Prinzip alles machen, was die Rheinländer jedoch geschickt zu verhindern wussten. Am Ende ist der Sieg der Fortuna durchaus gerechtfertigt.

HSV-Trainer Torsten Fink setzte auf ein 4-2-3-1, mit Marcus Berg als einziger Spitze, hinter der van der Vaart zentral sowie Beister und Son auf den offensiven Außenpositionen für Druck nach vorn sorgen sollten. Arslan und Badelj teilten sich die Doppelsechs, während in Diekmeier, Mancienne, Westermann und Aogo die gewohnte Viererkette ihren Platz einnahm. Düsseldorfs Coach Norbert Meier bot ein 4-4-2 auf, mit Kruse als zweiter, etwas hängender Spitze neben Nando Rafael. In der Defensivbewegung ließ sich Kruse öfter tief fallen, was dazu führte, dass die Düsseldorfer Taktik dann eher ebenfalls einem 4-2-3-1 glich. Nach einem Beginn, zu dem der HSV größere Spielanteile hatte, erkannten die Fortunen jedoch, dass die durch eine hohe Laufbereitschaft vor allem in der Rückwärtsbewegung viele Räume dicht machen konnten, was die Gäste im Spielaufbau vor große Probleme stellte. Das verstärkte sich nach 32 Minuten, als Rincon den Spielmacher van der Vaart ersetzen musste, der sich ohne gegnerische Einwirkung im Sprint verletzt hatte. Kurz darauf musste auch Düsseldorfs Innenverteidiger Langeneke verletzungsbedingt ausgetauscht werden, für ihn kam Balogun.

Düsseldorf stand zunächst tief, traute sich jedoch mit fortschreitender Spieldauer ein immer beherzter werdendes offensives Pressing zu, womit der HSV wenig zurechtkam. Das führte dazu, dass die Hausherren auch im Offensivspiel bei eigenem Ballbesitz immer mutiger wurden, und nachdem der HSV in Person von Son in der Vorwärtsbewegung den Ball verlor, nutzen den Gastgeber den in diesem Moment entstandenen Raum, nachdem Garbuschewski das Leder auf der rechten Seite gegen den Südkoreaner durch ein paar Schritte in den Raum hinein erobert hatte. Über Lambertz ging es dann schnell, er bediente Kruse und der vollendete unmittelbar vor dem Pausenpfiff zum 1:0, der einer weitgehend faden und uninspirierten ersten Hälfte ein Ende setzte.

Konter durch die Hausherren

Düsseldorf hatte in der ersten Hälfte vor allem die Hamburger Außenbahnen zugemacht, was meist dazu führte, dass unpräzise Flanken geschlagen wurden oder der Ball einfach zurück in die Mitte des Feldes gepasst wurde, wo die Fortuna meist ebenfalls im Bilde war und in Überzahl agierte. Den Hamburgern war in der letzten Viertelstunde der Schock über den Ausfall ihres niederländischen Dirigenten und Ideengebers van der Vaart anzumerken, das offensive Kreativspiel litt zusehends darunter.

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In der zweiten Hälfte wandelte sich die Düsseldorfer Taktik immer mehr hin zu einem reinen 4-4-2. Insbesondere die Viererkette im Mittelfeld verschob dabei sukzessive weiter nach hinten, die Hamburger kamen damit im Prinzip nicht zurecht und konnten sich selten spielerisch gegen die beiden Ketten durchsetzen. Nach einem Freistoß von Westermann zappelte der Ball dann zwar doch einmal im Netz der Hausherren, doch entschied der Unparteiische Gagelmann auf Stürmerfoul – HSV-Stürmer Berg, der völlig blass blieb, soll den im Strafraum mitverteidigenden Fortuna-Angreifer Kruse weggestoßen haben. Ein durchaus strittiger Pfiff des ansonsten souveränen Referees. Zwar blieb den Gästen noch mehr als eine halbe Stunde Zeit, um zumindest einen Punkt aus der Landeshauptstadt von NRW zu entführen, doch brachten sie kaum Druck auf die Düsseldorfer Defensive zustande. Immer wieder sollte Beister es quasi im Alleingang richten, doch die Fortuna verstand es, diesen Spieler immer wieder von seiner Mannschaft zu isolieren. Hin und wieder konnten die Gastgeber dann auch gefährliche Konter setzen.

Auch die Rochade von Beister und Son bringt nichts mehr

Und schon wenige Minuten nach dem aberkannten Treffer von Westermann führte eine tolle Einzelleistung des für Garbuschewski ins Spiel gekommenen Reisinger zum 2:0. Er ließ gleich drei Hamburger auf eine verblüffende Art und Weise stehen und vollendete eiskalt mit einem Schuss unter die Latte (63. Minute). Dem HSV fiel danach nicht mehr besonders viel ein, Düsseldorf hingegen war das gewonnene Selbstvertrauen deutlich anzumerken. Immer wieder blieben die Gäste im Ansatz stecken, Düsseldorf schaltete nach Ballgewinn schnell um und deutete an, hier durchaus auch ein drittes Tor erzielen zu können. Und auch, wenn dieser Treffer letztlich ausblieb: Die Fortuna rückte im Konterspiel gut nach, wobei das gesamte Konstrukt des HSV immer wieder in Richtung eigenes Tor geschoben wurde, damit die Räume für Düsseldorf zwischen den Reihen der Hamburger nicht allzu groß werden konnten. Genau dadurch hatten die Gäste aber auch selbst Probleme, wenn sie von hintern heraus neu aufbauen mussten; zwar ordnete Fink noch an, dass Beister und Son öfter rochieren sollten (was sie auch taten). Doch die Düsseldorfer schalteten in der Außenverteidigung von Raum- auf Manndeckung um und konnten dem Fink’schen Kniff so letztlich das Überraschungsmoment nehmen.

Alles in allem kein wirklich schlechtes, aber auch kein gutes Bundesligaspiel. Zwar agierte die Fortuna besonders am Schluss sehr defensiv und vergab Konterchancen oft schon im Ansatz, doch hatte man wohl erkannt, dass der Zwei-Tore-Vorsprung an diesem Abend gegen einen recht schwachen HSV genügen würde. Auf Seiten der Hamburger waren zwar über 20 Flanken in den Strafraum der Fortuna zu verzeichnen, doch echte Gefahr ergab sich daraus praktisch nie. Der HSV zwar mit der Ballbesitz, aber eine Stunde ohne den Takt- und Ideengeber van der Vaart, der wohl für den Rest der Vorrunde ausfallen wird. Das könnte die Hanseaten in den verbleibenden vier Spielen durchaus noch ein paar Punkte kosten – zu abhängig ist man derzeit von dem Niederländer. Allerdings wäre ein Erfolg in Düsseldorf auch mit dem Nationalspieler der Elftal schwer geworden, zu intelligent zeigte sich Düsseldorf in taktischer Hinsicht nämlich in dieser Partie.

22. November 2012

Stevens coacht Schalke ins Achtelfinale


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Dass der FC Bayern den Einzug ins Achtelfinale der Champions League schaffen würde, überraschte kaum jemanden. Dagegen ist es fast schon eine Sensation, dass Borussia Dortmund in der mit Anstand stärksten Gruppe schon vor dem letzten Spieltag als Gruppensieger feststeht, nach einem grandiosen 4:1-Erfolg bei Ajax Amsterdam. Und auch der FC Schalke 04 steht schon als einer der beiden Gruppenersten fest. Im Spiel gegen ein unangenehmes Olympiakos Piräus fuhren die Knappen einen umkämpften 1:0-Sieg ein.

Statistiker hatten es am Mittwochabend flugs ausgerechnet. Seit 1998 angeblich stehen drei deutsche CL-Teilnehmer schon vor dem abschließenden Spiel als Qualifikanten fest. Das ist natürlich eine tolle Bilanz, keine Frage, und möglicherweise ist es auch ein Ausdruck des Wiedererstarkens der deutschen Bundesliga. Während Dortmund in der „Todesgruppe“ auch von Real Madrids Starensemble nicht mehr einzuholen ist, kämpfen Bayern und Schalke am letzten Gruppenspieltag noch um den ersten Platz in ihren Gruppen, um im Achtelfinale den vermeintlich stärkeren Teams erst einmal aus dem Weg gehen zu können. Und beide Clubs haben es selbst in der Hand, mit einem Sieg für die bessere Ausgangsposition zu sorgen.

Einen Sieg, das war es auch, was der FC Schalke gegen Griechenlands Rekordmeister aus Piräus zu feiern gedachte und auch benötigte, um sicher in die erste K.O.-Runde im Februar einzuziehen. Und Schalke kam zu den drei Punkten, zwar erst spät durch einen Fernschuss von Christian Fuchs, aufgrund der Spielanteile und der Chancen allerdings verdient. 27 zu 7 Torschüsse wurden nach der Partie gezählt, auch der Ballbesitz war mit 61 zu 39 Prozent ungleich verteilt. Doch gewannen die Griechen 50 Prozent der Zweikämpfe, und genau das war es, was den Schalkern Probleme bereitete. Von der Taktik, die die Gäste anwandten, ganz zu schweigen.

Die Sechser der Griechen spielten eine Art der Manndeckung

Denn Olympiakos verteidigte extrem tief, was besonders zu Beginn und zwei frühen Chancen für Huntelaar und Holtby die Frage aufwarf, ob diese Taktik richtig sein sollte. Vor der Mittellinie griff Piräus nicht an, erst dahinter versuchten die beiden tief stehenden Sechser und die drei etwas offensiveren Mittelfeldspieler ein wenig gegen den Ball zu arbeiten. Weil insbesondere die Sechser Modesto und Greco sich dabei weit zurückfallen ließen, schafften es die Griechen, den Raum zwischen Mittelfeld und der ebenfalls tief stehenden Viererkette sehr eng zu machen – die Schalker mussten meist auf die Flügel ausweichen, von wo aus sie keine Torgefahr entwickelten. Außer ein paar Fernschüssen (lediglich der von Holtby nach zehn Minuten war gefährlich, er klatschte an die Latte) und Alibiflanken näherten sich die Königsblauen dem Tor der Gäste kaum.

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Auffallend war dagegen, wie Olympiakos verteidigte. Trainer Leonardo Jardim verordnete bereits den Sechsern, Manndeckung im defensiven Mittelfeld zu spielen, was diese im Prinzip ordentlich lösten. Dabei verstanden die beiden es auch, kreuzende Schalker Gegenspieler auf diesen Positionen geschickt zu übergeben und diesen nicht einfach hinterherzulaufen, was den Schalkern womöglich entscheidende Lücken im Raum verschafft hätte. Auf den Außenbahnen spielten die Gäste die Manndeckung konsequenter, was gerade dem sonst oft offensiven Schalker Außenverteidiger Christian Fuchs die Lust am Offensivspiel etwas raubte.

Stevens sah, wo er den Hebel ansetzen musste

Doch Schalke-Coach Huub Stevens hatte in der Halbzeit erkannt, wo der Schuh drückte, und er fand die richtigen Knöpfe, um das Offensivspiel seiner Truppe anzukurbeln. Zum einen rochierte Lewis Holtby noch mehr im offensiven Mittelfeld, ging hier und da in den Sturm, ließ sich etwas tiefer fallen und stellte der Manndeckung der Gäste auf diese Weise Aufgaben, die diese nicht immer lösen konnte. Wenn Holtby offensiver wurde, rückte Jermaine Jones von hinten nach, was den Schalkern nach einem Ballverlust oft die schnelle Rückeroberung einbrachte, Ähnliches galt für den nun ebenfalls höher stehenden Fuchs, der viele Bälle der Gäste abfing, die Konter einleiten wollten. Auf ähnliche Art und Weise agierte Benedikt Höwedes in der zweiten Halbzeit auf der rechten Bahn, wo er Jefferson Farfan so deutlich besser unterstützen konnte. Und auch Klaas-Jan Huntelaar wurde im Vergleich zur ersten Hälfte immer beweglicher, wich hier und da auf die Flügel aus und zerrte so seine Gegenspieler aus dem Angriffszentrum heraus, um dort Platz für die dann und wann nachrückenden Draxler und Holtby machen zu können. Auf diese Weise schaffte Stevens jene Freiräume, die seine Elf so dringend benötigte, während die Defensive der Gäste der nun wesentlich komplexeren Aufgabenstellung nicht mehr gerecht werden konnte.

Dass das Tor dann durch einen Fernschuss aus mittiger Position, 25 Meter vor dem Tor, fiel, war auch eine Folge von Stevens‘ taktischen Umstellungen – ohne diese hätte Fuchs nie und nimmer so viel Freiräume vor sich gehabt, um dort hinein zu stoßen. Der Schuss schien nicht gänzlich unhaltbar, doch hat das bei den Schalkern natürlich keinen gestört. Schließlich verdiente sich das Team den Sieg mit einer kompakten Leistung und der Fähigkeit, die taktischen Vorgaben des Trainers nach der Pause eins zu eins abzubilden und umzusetzen. Doch im Achtelfinale wird ein Gegner auf dem Platz stehen, der selbst nach vorn spielen möchte, der sich nicht fast komplett vor das eigene Tor zurückzieht – und genau das könnte dem FC Schalke entgegen kommen. Denn dann würde wohl von Anfang an mehr Raum vorhanden sein für das Angriffsspiel, und Stevens müsste nicht so tief in die taktische Trickkiste greifen wie gegen Olympiakos Piräus. Das Spiel war sicher kein Leckerbissen für Freunde des offensiven Spektakels, ließ allerdings in taktischer Hinsicht wenig Wünsche offen und war hier gerade nach der Pause höchst interessant zu beobachten.