17. November 2012

Teambuilding – Maßnahmen und auf was man achten sollte als Trainer

Teambuilding ist schwer zu definieren und noch schwerer umzusetzen – also lasse ich als Trainer lieber die Finger davon. Wer so denkt, sollte lieber eine Einzelsportart trainieren, denn das Teambuilding war und ist schon immer eine mehr als nur unterstützende Maßnahme, um sportliche Ziele mit einer Mannschaft mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auch erreichen zu können. Erster Schritt dabei sollte in jedem Fall sein, ein gemeinsames Ziel mit dem Team zu definieren. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Mannschaft sich ernst genommen fühlt, wenn der Trainer das Ziel mit ihr zusammen erarbeitet.

Treten im Verlauf einer Spielzeit Schwierigkeiten bei der Erreichung des Ziels auf, so ist die erste Pflicht des Trainers, an den Zusammenhalt zu erinnern und daran, dass das formulierte Ziel eins ist, das gemeinsam erarbeitet wurde. Den Spielern muss klar sein, dass einer vom anderen – im positiven Sinne – abhängig ist, dass ein Einzelner aus der Gruppe nie etwas erreichen kann ohne die Hilfe der anderen.

In einer heterogenen Gruppe besteht naturgemäß die Problematik, dass viele unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen. Teambuilding kann nicht von oben verordnet werden, und Teambuilding ist deswegen auch nichts, was gezielt trainiert oder geübt werden kann. Teambuilding ist vielmehr ein langer Prozess, den ein Trainer nur mit flankierenden Maßnahmen in einem groben Rahmen steuern kann. Wie es der ehemalige niederländische Volleyball-Nationaltrainer Joop Alberda ausdrückt, ist Teambuilding zu vergleichen mit dem Bau eines Hauses: „Durch Teambuilding müssen sich die Spieler zu Hause fühlen. Gemeinsam bauen Trainer und Spieler ein Haus und einigen sich darauf, Reparaturen gemeinsam auszuführen. Man weiß, dass schon mal eine Fliese von der Wand fällt. Aber wir müssen darauf vertrauen können, dass wir alle bereit sind, das Haus instand zu halten. Man muss sich darauf freuen, gemeinsam in dem Haus zu leben.“ (Quelle: dfb.de, „Was Sie schon immer über Teambuilding wissen wollten – und sollten!“)

Um zu einem echten Team zu werden, muss ein Trainer dafür sorgen, dass die angesprochenen Rahmenbedingungen eingehalten werden. Davon gibt es eine ganze Menge. Sie sollen im Folgenden aufgezählt und kurz erklärt werden. Los geht es mit dem Recht auf Zugehörigkeit zur Mannschaft – eigentlich selbstverständlich, doch es gibt Fälle, in denen Spieler von ihren Mitspielern geschnitten und ausgeschlossen werden, was für das Haus, das gebaut werden soll, natürlich extrem negative Folgen hat. Damit einher geht das Recht auf Vorrang: nicht alle Spieler eines Teams können in der Hierarchie an der gleichen Stelle stehen. Wer etwa neu zu einer Mannschaft kommt oder zu den Jüngsten gehört, muss das tun, was junge Spieler seit jeher tun müssen – etwa im Training die Ballnetze oder die Hütchen tragen. Was etwas antiquiert klingt, stellt sich bei näherer Betrachtung als Maßnahme für das Teambuilding heraus, wenn man bedenkt, dass die älteren Spieler dafür eher bereit sind, die Verantwortung zu tragen. Daraus ergibt sich dann eine nützliche Aufgabenverteilung, von der im Normalfall alle profitieren. Der Trainer hat dafür zu sorgen, dass die Mannschaft um derlei Dinge möglichst eigenständig kümmert, da es nicht seine Aufgabe sein kann, sich darum zu kümmern, wer die Hütchen auf den Trainingsplatz trägt. Darüber hinaus muss in einer Gruppe ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Nehmen und Geben herrschen. Wer etwa selten trainiert, aber in der Startelf stehen möchte, nimmt mehr, als er gibt. Das führt dazu, dass sich viele übergangen und ungerecht behandelt fühlen – Gift für den Prozess des Teambuildings.

Dazu kommt, dass sich jeder Spieler zu jeder Zeit vor Augen halten sollte, dass die Gruppe wichtiger ist als der einzelne Spieler. Um dafür zu sorgen, dass den Spielern diese Erkenntnis stets präsent ist, kann der Trainer anregen, dass bei Nichtbeachtung von Regeln (etwa dem Zuspätkommen beim Training) Sanktionen auferlegt werden. Dadurch wird belegt, dass sich alle Spieler gewissen Regeln beugen müssen – und dass das Wohlergehen der ganzen Mannschaft über dem Wohl des Einzelnen steht. Darüber hinaus muss den Spielern klar sein, dass in einer solchen Gruppe Wechselwirkungen herrschen, und das bedeutet: jeder Spieler übt einen Einfluss auf jeden anderen Spieler aus. Das bedeutet, dass etwa bei spielentscheidenden Fehlern oft ein einziger Aussetzer eines Einzelspielers über eine Niederlage entscheiden kann. Die Mannschaft jedoch muss wissen, dass derselbe Spieler schon in der nächsten Partie zum Matchwinner avancieren kann und sollte dementsprechend reagieren. Für den Trainer ist die Beobachtung wichtig, dass das Team immer zusammen verliert, aber auch immer gemeinsam gewinnt. Dazu gehört, als weiterer Punkt, das Wissen, dass eine Mannschaft im Optimalfall aus mehr besteht als nur aus der Summe ihrer einzelnen Bestandteile, also der Spieler. Was über dem Team stehen sollte, ist der Geist eines Teams, der Esprit, der die einzelnen Spieler Spiel für Spiel so ehrgeizig macht, alles für die eigene, einzigartige Mannschaft zu geben. Dieser Teamgeist ist jedoch bereits schon dann verschwunden, wenn eine Mannschaft beginnt, in mehrere kleine Grüppchen zu zerfallen. Das es immer stärkere Bindungen zwischen einzelnen Spielern gibt, ist klar, doch sollte ein Trainer die gruppendynamischen Prozesse stets im Auge behalten.

Eine Mannschaft kommt im Normalfall nicht ohne den einen, besonderen Spieler aus, der auch mal allein den Unterschied ausmachen kann – ein sicherer Torschütze etwa oder ein begabter „Sechser“. Und jeder Spieler nimmt sich, neben dem Ziel der Mannschaft, oft auch noch ein persönliches Ziel vor, etwa die Torjägerkanone der Liga oder die beste Passquote, nur um zwei Beispiele zu nennen. Bei einem Torjäger kann ein solches Vorhaben einen eklatanten Konflikt heraufbeschwören, wenn er sein persönliches Ziel über das der Mannschaft stellt und vor dem Tor den besser postierten Mitspieler „übersieht“. In diesem Spannungsfeld das richtige Maß zu finden, ist eine der wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben des Trainers, um das Team zu festigen.

Bei all diesen genannten Faktoren bleibt jedoch die Erkenntnis der gegenseitigen Abhängigkeit der Spieler der zentrale Punkt. Ein richtiges Team kann nur dann entstehen, wenn ein Zusammenhalt in der Gruppe existiert; nur wenn der Spieler weiß, dass er von jedem anderen abhängig ist (etwa der Stürmer von den Vorlagen der Mitspieler), erkennt er den Wert der Mitspieler. Hat ein Spieler dies begriffen, wird er auf dem Platz nicht anfangen, mit seinen Mitspielern zu meckern, da er weiß, dass der Teamgeist über allem steht.

Abschließend zu diesem umfangreichen, ergiebigen Thema möchten wir zeigen, welche fußballspezifischen und welche fußballunspezifischen Richtlinien in Frage kommen, um das Teambuildung anzuregen (denn man kann mannschaftliche Geschlossenheit schlecht trainieren). Die aufgeführten Beispiele im fußballunspezifischen Bereich sollen lediglich Anregungen sein, welche Möglichkeiten überhaupt existieren; die Richtlinien hingegen sind recht genau eingrenzbar. Im fußballspezifischen Bereich gibt es deren fünf. Erstens: Kommunikation. Bedeutet: Spieler und Trainer reden mit- und nicht übereinander. Zweitens: Eine gemeinsame Strategie erarbeiten. Bedeutet: Diskussionen nach dem Training in Hinblick auf das Spiel; das Ziel ist klar: Nur so kann die gesamte Gruppe mitgenommen werden. Drittens: taktisch flexibel trainieren. Bedeutet: Die Mannschaft muss in der Lage sein, eine taktische Variante mitten im Spiel zu ändern, falls die vorgegebene Marschroute nicht funktioniert. Oft müssen dafür Spieler bestimmter Positionen geopfert, also ausgewechselt werden. Die Spieler müssen erkennen können, dass hierfür eben hin und wieder die Notwendigkeit besteht. Viertens: Konzentration und Aufmerksamkeit. Das schuldet jeder in der Gruppe jedem anderen und gilt beileibe nicht nur für den Fußball oder das Training. Es ist schlicht unfair gegenüber Anderen, wenn etwa nicht zugehört wird, wenn der Trainer den Ablauf einer Übung erklärt. Fünftens: Motivation und Wille. Bedeutet. Alle müssen mitziehen. Lässt sich auch nur einer hängen, treten in Training und Spiel Probleme auf, unter denen der Teamgeist und somit die ganze Mannschaft zu leiden hat.

Für den nicht-fußballspezifischen Bereich lassen sich vier Leitgedanken aufführen, die dem Teambuilding zuträglich sind. Erstens: Vertrauen schaffen. Bedeutet: Offen und geradlinig sein im Umgang mit anderen. Zweitens: Gemeinsame sportliche Unternehmungen, die nichts mit dem Fußball zu tun haben, etwa Klettern im Hochseilgarten, eine Kanufahrt oder Ähnliches. Das trägt darüber hinaus auch zur Vertrauensbildung bei. Drittens: Rituale abhalten. Bedeutet: Beispielsweise eine Mannschaftskasse führen, die durch einen Strafenkatalog gefüllt und die dann und wann für ein „Kabinenfest“ geopfert wird. Viertens: Anderweitige gemeinsame Unternehmungen. Etwa eine Nachtwanderung, ein Kinobesuch, eine Nacht auf dem Zeltplatz mit Lagerfeuer, Grillen etc.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass Maßnahmen, die das Teambuilding betreffen, in großer Anzahl vorstellbar sind. Die hier genannten sollen lediglich Anregungen sein. Jeder Trainer, der erkannt hat, dass das Teambuilding einen wichtigen und langen Prozess darstellt, wird für seine Mannschaft die passende Möglichkeit parat haben.

Spezialthemen


Kommentare

Kommentar schreiben

Kommentartext

Newsletter abonnieren

Unsere wöchentlichen Trainingstipps (jeden Mittwoch 9 Uhr):
Die Vorbildfunktion des Trainers vom 17. Dezember 2012
Teambuilding – Maßnahmen und auf was man achten sollte als Trainer vom 17. November 2012
Als Jugendtrainer: Wie mit schwierigen Eltern umgehen? vom 17. Oktober 2012
Zum Archiv: Hier finden sie alle Trainingstipps
Navigation:
Übungen
Trainingspläne
Zeitschrift
Trainingshilfen
Forum